Wohnmobil Urlaub Spanien - ein paar Reisetipps

Autofahren mit unserem Teilintegrierten (7,40x2,30Meter):

Der Straßenzustand in Spanien ist gemischt. Die großen Straßen sind meistens ziemlich gut ausgebaut und gut befahrbar. Kleine Straßen können manchmal schon sehr rumpelig werden. Eine ordentliche Beschilderung, so wie man es aus Deutschland oder Frankreich kennt, ist nicht Sache der Spanier. Ein Navi ist ein absolutes MUSS.

UND das Kartenmaterial im Navi muss top aktuell sein! Das war es bei uns nicht, was uns wohl einige Urlaubsstunden gekostet hat.

Was auch zum Problem werden kann ist die Tatsache, dass es auf Landstraßen nur sehr wenige Parkplätze gibt. Wenn man mal halten möchte, um vielleicht in den Straßenatlas zu sehen, kann es schon mal passieren, dass man 50 km fahren muss, bis man endlich mal rechts ranfahren kann. So etwas wie eine Place Picknick Kultur, wie wwir sie aus Frankreich kennen, gibt es in Spanien überhaupt nicht.

Wenn man in Städte fahren will, sollte man vorher genau sein Ziel kennen. Wie gesagt, Schilder gibt es fast keine und sich mit einem Teilintegrierten in einer Innenstadt zu verfahren kann schon mal in einen nackten Horror ausarten.

Was nervt, sind die recht hohen und unglaublich zahlreichen Schwellen an den Zebrastreifen. Wer nicht sein Wohnmobil hinterher wieder aufräumen will, sollte nicht mehr als 10km/Std Geschwindigkeit drauf haben, wenn er diese kleinen Hügel überquert.

Eines aber muss ich auch sagen: Die spanischen Autofahrer sind im Straßenverkehr unglaublich rücksichtsvoll und hilfsbereit. Das war eine echte Überraschung.

Ein Tipp zu den Autobahnen:
Wer an der Mittelmeerküste entlang die Autobahn nutzen möchte, hat meistens die Wahl zwischen der A7 und der AP7. Die P Autobahnen sind gebührenpflichtig, die anderen kostenlos. Oft laufen die beiden Straßen parallel. Ein Blick auf die Karte kann schon den einen oder andere Euro sparen helfen.

Fahrtkosten:

Die Gesamtstrecke betrug ca. 7.500 km. Für Sprit haben wir etwa 1.150 EUR ausgegeben und für die Maut in Frankreich und Spanien ca. 300 EUR.

Besuch von größeren Städten und Sehenswürdigkeiten:

Wer den Besuch einer größeren Stadt plant, sollte vorher bereits wissen, wo er parken möchte. Einfach mal spontan reinfahren und schauen, was passiert – so wie wir es gerne machen – sollte man sich verkneifen. Wichtig ist, immer nur die großen Straßen zu fahren und nie in die engere Innenstadt oder gar in die Altstadt abzubiegen. Die kleineren Straßen können in Spanien sehr eng werden und einem 2,30m Wohnmobil ernste Schwierigkeiten bereiten.

Den Besuch einer Sehenswürdigkeit sollte man Uhrzeit-genau planen und sich vorher im Internet erkundigen, ob man Tickets online bestellen kann, sonst drohen Wartezeiten von 3 Stunden und mehr. Auch ist es wichtig, die Siesta zu berücksichtigen, während derer sich das Leben in den Städten ein bisschen beruhigt. Die Siesta ist ca. zwischen 14:00 und 17:00 Uhr. Danach geht es in den Städten wieder richtig rund. Wenn man Glück hat, kann man während der Siesta manchmal ganz gut einen Parkplatz finden.

Reisezeit:

Wir sind Ende März gefahren und bis Mitte Mai geblieben. Ende März war der Norden noch ziemlich kalt (nachts 4 Grad). Später gab es an der Mittelmeerküste durchaus manchmal Temperaturen über 30 Grad. Immerhin haben wir auf unserer Strecke 4 Klimazonen durchquert.

Wer zu dieser Jahreszeit eine ähnliche Strecke fährt, beginnt  vielleicht besser mit der Route am Mittelmeer und fährt am Ende erst in den Norden.

Übernachten - Stellplätze:

Ein guter Tipp zum Übernachten sind die unzähligen Neubaugebiete, die es fast überall gibt. Man findet hier Straßen, schöne Parkanlagen, manchmal auch ein wenig moderne Kunst, aber oft sind keine Häuser dabei oder nur leerstehende Gebäude oder auch nur Stahlbetongerippe. Meistens liegen diese Gebiete in recht schönen Landschaften am Stadtrand. In OSM kann man sie gut an der „geplanten“ Form der Straßenzüge oder auch am Namen, wie z.B. Urbanization oder irgendwelchen fantasievollen Begriffen erkennen. Das Wichtigste daran ist: Sie sind sehr ruhig und ungestört.

Auf offiziellen Stellplätzen waren wir fast überhaupt nicht. Darüber können wir nichts sagen.

An der Mittelmeerküste besuchten wir den einen oder anderen Campingplatz, um auszuruhen und das Womo zu versorgen. Fast alle Plätze waren unglaublich eng. Jeder Quadratmeter ist für den Platzbetreiber bares Geld und so sind die meisten Parzellen kaum geeignet, ein 7,4m langes Womo aufzunehmen. Wir haben es trotzdem immer wieder geschafft, unser Schiff in den engen Platz rein zu bugsieren.

Entsorgung:

Mülltonnen sind überall zu finden. In Spanien gibt es keine individuellen Tonnen pro Wohnung, sondern Gemeinschaftstonnen für Mietshäuser oder ganze Straßenzüge. Da fällt es nicht auf, wenn man mal eine Tüte reinwirft.

Womo-Service findet man gelegentlich auf Autobahn-Raststätten, in Katalonien häufiger als im Rest des Landes.

Einkaufen:

Lidl gibt es überall. Gesucht haben wir über OSM oder Google Maps. Wir haben nur einmal versucht, in einem spanischen Supermarkt einzukaufen – mit mäßigem Erfolg. LIDL hat mehr oder weniger überall das gleiche und so kann man schon 100 km vor dem Ziel seinen Einkaufszettel machen und weiß, dass man das Gewünschte schnell finden wird.

Verständigung :

Englisch spricht kaum jemand. Vor dem Einkauf in einer Apotheke haben wir uns die wichtigsten Wörter aus dem Wörterbuch herausgeschrieben und dem Apotheker vorgelegt. Damit war eine Verständigung, teils per Zeichensprache, einigermaßen möglich.

Zwei Beobachtungen:

Wir nahmen aus dem Urlaub unglaublich viele Eindrücke mit. Sie alle hier zu schildern würde den Rahmen sprengen.
Zwei besonders eindrückliche Beobachtungen wollen wir trotzdem schildern.

Die Krise

Wer es nicht selbst gesehen hat, kann es sich nicht vorstellen: die unglaubliche Menge an Neubauruinen und die wahnsinnige Geldverschwendung in der Verkehrsplanung.

Spanier lieben Lärm und ihre Kinder

Diese kleine Beobachtung zum Schluss rundet vielleicht unser Bild von Spanien ab:
Abends um 23:00 Uhr in Cordoba auf einem der vielen Plätze trinken wir eine Sangria. Es sind vielleicht 20 Tische besetzt, der Platz ist eng und es tobt ein riesiger Lärm um uns herum. Grund: Jede Menge kleine Kinder, die hier kreischen und herumtoben. Eines der Kinder fällt besonders auf, weil es dreimal so laut ist, wie alle anderen. Es ist stolzer Besitzer eines Kinder-Megafons! Damit übertönt es alle Anwesenden.

Kann man sich auf irgendeine Weise deutsche Eltern vorstellen, die ihr Kind mit einem Megafon ausstatten und nachts um 23 Uhr in einer Straßenkneipe lärmen lassen? Wir können es nicht.

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Haben Sie noch weitere Tipps?

Kommentar von Wolfgang |

Hier tauchte die Frage nach Gas auf. Wir waren dieses Jahr in Spanien und haben uns bei Repsol eine orange Propangasflasche gekauft. (Nicht die modern aussehenden Butangasflaschen). Die Flasche kostet ca. 32 Euro, die Füllung ca. 11 Euro für 11 kg. Gas. Bei jeder Repsol Tankstelle kann man dann tauschen. Wichtig: man benötigt einen Aufsatz/Adapter für den deutschen Anschluss. Diesen am besten vorher in Deutschland kaufen. Ebay oder die Gasfachfrau sind gute Quellen. Da wir öfter nach Spanien wollen, sinnvolle Anschaffung.

Kommentar von riesland |

Lieber Thomas. Wir leben seit über einem Jahr in Andalusien, in Sichtweite der Sierra Cadiz. Der Nachbar neben unserer Hotelanlage will 20.000m² verkaufen und wir haben die Idee, etwas für WoMo Reisende zu kreieren. Wir haben davon überhaupt keine Ahnung, nur einen T2 Helsinki haben wir, aber seit 13 Jahren nicht benutzt. Was wir nun an Plätzen im Internet finden, erscheint uns völlig phantasielos. Mal sehen ob wir das nicht besser können. So mindestens 100m² , vielleicht auch mehr, sollte ein WoMo Platz schon haben, stellen wir uns vor. Mit vielen Pflanzen und morgens wenn es kühl ist, gleich die ersten Sonnenstrahlen spüren. Du hast so wenig von der Natur berichtet. Von den Düften und den Singvögeln. Dem magischen Licht. Manchmal sitze ich auf einem Hügel und schaue nur einfach in die Landschaft, während die Wolken die Sonne zu einem Lichtspieltheater am Boden werden lassen. Immer neu, immer anders. Mich überrascht, dass Du wert darauf legst bei Lidl einzukaufen, wie zu Hause. Warst Du nie in diesen kleinen Gemüseläden, wo das Gemüse noch wie früher schmeckt, wie aus dem Garten der Großmutter? Die Entdeckung der Langsamkeit ist der Schlüssel zur Wahrnehmung, gerade in Andalusien. Deine Photoshow hat mich beeindruckt. Gerade diese Slideshow, mit der Gitarrenmusik ist sehr gelungen. Das werde ich auch mal probieren. Ich verspreche aber, keine Bilder nachzubearbeiten. Wenn Ihr mal wieder hier in der Nähe seid, verpasst nicht vorbeizuschauen. In lauen Sommernächten sind wir mit alten Landrovercabrios unterwegs, gerne bei viel Mond. Unser Treibstoff: Sonnenblumenöl.

Kommentar von Lidi |

Danke für den tollen Bericht. Möchten heuer Mitte Mai bis Mitte Juni den Südosten Spaniens besuchen.
LG Lidi

Kommentar von Rosa |

Guten Tag,
Ich hab eure Reise enthusiastisch gelesen und alles mit der tollen Bildern genießen! Ich hab nun eine Frage: wie habt ihr mir dem Gas gemacht? Ich weiß, dass in Spanien und Frankreich kann man die Gasflasche nicht füllen..
Vielen Dank und schöne Grüße
Rosa

Kommentar von Ronny |

Hallo,

ein klasse Reisebericht und interessant für alle Wohnmobilisten.

Du hast geschrieben, dass in den meisten Fällen ihr keine Stellplätze, Campingplätze angefahren seid. Wie habt ihr das mit dem Wasser und der Toilette hinbekommen, gab es außerhalb genügend Möglichkeiten an Servicestellen?

Viele Grüße
Ronny

Kommentar von Müller, Sabine |

Hallo,
toller Reisebericht!!!
Wir haben vor von Mitte Febr. bis Ende März gen Süden Spaniens zu reisen mit einem Mietmobil. Mal sehen wie uns das Abenteuer gefällt. Könnten nützliche Hinweise hier bekommen.
Toilettenwechsel war dann immer auf einen normalen Stellplatz oder Campingplatz?
Ihr habt immer gewechselt mal mit "wilden" und mal mit richtigen Stellplätzen.
Und die Fotos sind sehr gelungen- Kompliment!
Freundliche Grüße

S. Müller

Kommentar von Pypetz, Udo |

Hallo Ihr Zwei!

Habe einige Eurer Reiseberichte gelesen.... Habe diese mit vielen anderen Reiseberichten verglichen und festgestellt..... Beim LESEN wird man mitgerissen.... Echt Super.
Schön sind die u.a. Tipps von Spanien.
Seit Jahren sind wir auch in Spanien unterwegs und können alles nachvollziehen.

Ende März sind wir von unserer Winterreise, (5 Monate) in Spanien zurück.... Nächste Woche geht es wieder los..... unsere Tochter mit unseren Enkeln machen Urlaub in Spanien, nähe Cartagena.... Und die Enkel möchten gern ein paar Tage mit Oma und Opa zusammen sein..... Also was tun..... Wir fahren.....
Wollen dann aber nur drei Wochen in Spanien verweilen, da im Sommer zu heiß. Eventuell anschließend bis Barcelona, die Fähre nach Genua und dann durch Italien in den Allgäu.

Nochmals... Eure Reiseberichte sind für den Leser und Mobilisten (auch) von Vorteil.
Vielleicht hört, liest oder sieht sich mal..... Ach ja.... Wir kommen aus NRW.....

Liebe Grüße und allzeit gute Fahrt
Puri & Udo
"PuMo in Tour"

Antwort von Thomas Kussmaul

Hallo

Na wenn die Enkel rufen, dann kann man auch ein paar Kilomter dafür fahren Lächelnd.
Das mit der Fähre klingt interessant. Das schauen wir uns mal an.

Ansonsten danke für die netten Worte und viel Spaß in Spanien.

Liebe Grüße
Thomas Kussmaul