Reisebericht: Wohnmobil Urlaub Norwegen 2013 - Seite 3

Tag 12 - Geiranger, Stryn, Skei

Unser Übernachtungsplatz entpuppt sich als Logenplatz, was die Luxus-Dampfer betrifft, die hier Halt machen. Wir sehen stundenlang dem Treiben auf dem Wasser zu. Wie geankert wird, wie die Passagiere entladen werden, wie im Fjord rangiert und gewendet wird.

Dann geht es weiter Richtung Stryn. Direkt nach Geiranger sind steile 1000 Höhenmeter zu bewältigen, die wir komplett im 2. Gang fahren. Es ist immer wieder lustig, unsere PET-Wasserflaschen, die wir auf Meereshöhe befüllt hatten, knacken zu hören während sich der Luftdruck verändert.
Oben eine harte, schroffe, ja fast feindliche Felslandschaft wie aus einem Fantasy-Film. Danach wieder eine fast vegetationslose Fjell-Landschaft mit einsamen Seen. Das alles im Regen mit schweren dunklen Wolken über den Berggipfeln. Schaurig schön.

Später fahren wir durch einen langen, engen und sehr, sehr dunklen Tunnel, ohne Mittelstreifen, ohne Seitenstreifen. Man kann fast nicht erkennen, wo die Fahrbahn aufhört und wo die Felswand anfängt. Eine Geisterbahn auf dem Rummelplatz ist nichts dagegen. Uns kommt ein Pulk von Wohnmobilen entgegen.
Krockk!
Fast könnte man sich daran gewöhnen. Wieder sind die Spiegel kollidiert. Diesmal ist der Panorama-Spiegel nicht heraus gefallen, er hat sich nur verstellt.

Weiter geht es über ganz normale Straßen, also nicht mehr über Touristen-Wege. Aber die sind auch schön! Wir machen Picknick an einem Fjord mit wirklich grünem Wasser. Die Landschaft drum herum erscheint irgendwie allgäuesque (falls man das so sagen kann).

Kurz nach Skei finden wir zum Übernachten einen erhöhten Parkplatz mit herrlichem Blick über den See.

Tag 13 - Skei, Gaularfjell-Weg, Leikammer

Es soll wieder ein regnerischer Tag werden. Wir fahren den Gaularfjell-Weg, eine der zahlreichen Touristen-Straßen Norwegens.

Der Weg ist landschaftlich wunderschön – aber inzwischen sind wir ein bisschen überfüttert.
Unterwegs machen wir eine längere Pause.
Gegen Ende der Strecke staunen wir über einen Birkenwald kurz unterhalb der Baumgrenze. Es ist schon seltsam, welche Formen Bäume annehmen können, wenn die Umgebung eher unwirtlich ist.
Kurz vor Dragsvik blicken wir in ein tiefes kesselförmiges Tal und bewältigen gute 600 Höhenmeter abwärts in engen Serpentinen.

Wir übernachten in Leikanger, direkt am Sognefjord

Eine Fähre - 160 nok

Tag 14 - Leikammer, Aurland über das Aurland-Fjell

Endlich wieder Sonne!

Ab Leikammer geht es weiter auf einer der üblichen Fjord-Straßen. Wasser auf der einen Seite, steile Hänge auf der anderen. Wir rollen so mit 60 km/h auf der nicht besonders breiten Durchgangsstraße dahin, als uns eine Joggerin entgegen kommt - wie schon öfters. Der Grund: Wer als Jogger in einem Fjord längere Strecken laufen will, findet oft keinen anderen Weg. Es gibt einfach keinen. Er muss auf der Autostraße laufen.

Wir fahren den Aurland-Fjell Weg. Es geht auf 1300 Meter Höhe. Wieder eine Landschaft wie von einem anderen Stern. Wieder einmal toll - vor allem, weil das Wetter heute Freude macht. Auf der Strecke gibt es drei künstlerisch gestaltete Parkplätze.

Auch die normalen Touristen hinterlassen hier ihre künstlerischen Spuren in Form von kleinen und großen Steinmännchen, die hier zu hunderten die karge Landschaft verzieren.
Überhaupt Steinmännchen: Immer, wenn sie gehäuft auftreten weiß man sofort, hier haben schon viele Touristen einen Stopp eingelegt.

Am Ende der Hochebene kommen wir an einen fantastischen Aussichtspunkt oberhalb des Aurland-Fjordes. Hier wurde ein weit ausladender Steg gebaut, von dem aus man einen wahnsinnigen Blick in die Tiefe des Fjordes hat. Der Aurland-Fjord ist von dieser Stelle aus betrachtet unglaublich schön.

Beim Abwärtsfahren über die steilen, größtenteils einspurigen Serpentinen werden wir Teil eines Happenings, das es in sich hat. Acht abwärts fahrende Autos und ein Wohnmobil (wir) wollen an einem aufwärts fahrenden, großen Reisebus mit drei folgenden Fahrzeugen vorbeifahren. Es steht nur eine kleine Ausweichbucht für maximal 3 Autos zu Verfügung. Normalerweise würde man sagen, das geht nicht. Die Norweger sind aber offensichtlich ziemlich clever was solche Dinge betrift. Nach etwa 10 Minuten und millimetergenauem hin- und her Rangieren aller Beteiligten geht es dann doch und die Situation löst sich auf.

Vier Kilometer hinter Aurland befindet sich in Flam der Bahnhof mit der berühmten Flambahn und eine Anlegestelle für Luxus-Dampfer. Wir beobachten, wie ein riesiges, ca. 12-stöckiges Schiff auf einem Punkt wendet und den Fjord verlässt. Unser Womo sieht neben dem Schiffgiganten richtig winzig aus.

Etwa 5 km nach Flam auf der Straße Nr. 50 lassen wir uns für die Nacht nieder auf einem Parkplatz in den Serpentinen, mit Blick ins abendliche Tal.

1 Fähre - 160 nok

Tag 15 - vom Aurland nach Oslo

Wir verabschieden uns vom Fjord-Land. Über die Straße Nr. 50 geht es nun ins Landesinnere, Richtung Oslo. Die Nr. 50 ist sehr gut ausgebaut. Das Erstaunliche ist: Hier kommt nur alle 3 bis 5 Minuten ein Auto. Zunächst fahren wir durch ein paar Geisterbahn-ähnliche Tunnel, werden von Schafen gestoppt, die auf der Straße ihre Siesta halten und frühstücken schließlich in 1100 Metern Höhe in einer schönen Fjell-Landschaft an einem kleinen, beschaulichen See.

Beim dem kleinen Ort Hol biegen wir ab auf die E7. Wusch ... die Zivilisation hat uns wieder. Auf der E7 herrscht richtig dicker Verkehr. So soll es bis Oslo bleiben.

Nördlich von Oslo kommen wir an der kleinen Insel Utöya vorbei, auf der Breivik das schreckliche Massaker an Jugendlichen begangen hat. Die stille Landschaft berührt uns tief. Wir verstehen gut, welcher Schock diese Tat für das so friedliche, entspannte Norwegen gewesen sein muß.

In Oslo genießen wir oberhalb der berühmten Holmenkollen-Schanze in 300 Metern Höhe einen herrlichen Blick auf die glitzernden Lichter der nächtlich erleuchteten Stadt. Wir übernachten kostenlos auf einem der vielen Parkplätze am Fernsehturm.

Tag 16 - Oslo

Wir gammeln rund 2 Stunden am Holmenkollen herum. Man kann vom oberen Ende der berühmten Sprungschanze an einer Stahlseilrutsche hängend über die gesamte Schanze und deren Auslauf herunter rauschen. Das Ganze dauert 25 Sekunden und kostet rund 80 Euro - also 3,20 Euro die Sekunde. Das finden wir dann doch ein bisschen teuer.

Statt über die Schanze zu fliegen schauen wir lieber dem norwegischen Skispringer-Nachwuchs zu, der auf einer riesigen Anlage mit fünf Sommer-Schanzen trainiert.

Dann wollen wir mit dem Womo einmal durch Oslo fahren, um einen ersten Eindruck von der Stadt zu bekommen. Dazu beauftragen wir unseren Navi, uns an das andere Ende zu City zu bringen. Das tut er dann auch, nur anders als erwartet. Oslo ist von einem riesigen Tunnelsystem "unterkellert", um den Durchgangsverkehr aus der Stadt herauszuhalten. Nach kurzer Zeit sind wir tatsächlich auf der anderen Seite, haben aber von der Stadt absolut nichts gesehen.

Auf dem Hügel Ekeberg sehen wir Oslo von oben an. Wir befinden uns nun sozusagen gegenüber vom Holmenkollen.

Nun beauftragen wir unseren Navi, uns zum Frognerpark zu führen. Wir wählen eine garantiert tunnelfreie Route. Es ist Samstag und herrliches Wetter. Die Stadt ist voll - wirklich voll. An einigen Plätzen gibt es Musik. Wir fragen uns, wie Oslo mit seinem Verkehr zurechtkam, bevor es die Tunnel gab.

Wir parken auf einem kleinen, sehr ruhigen Parkplatz zwischen Frognerstadion und Frognerpark. Angenehm: am Wochenende ist hier das Parken kostenfrei. Hier übernachten wir auch. Vom Zentrum sind wir rund 15 min zu Fuß entfernt.

Endlich kommen unsere Fahrräder mal wieder zum Einsatz. In Fjord-Norwegen war ein sinnvoller Einsatz der Räder bisher nicht möglich.

In nahe gelegenen Frognerpark verbringen wir einige Zeit mit den Skulpturen von Gustav Vigeland. Wie Vigeland menschliche Körper darstellen konnte - meisterhaft! Manche seiner Darstellungen sind irritierend, so zum Beispiel ein muskulöser Mann, der mit 4 Säuglingen balanciert, als wären sie Jonglierbälle. Meisterhaft fies ist auch der berühmte kleine Junge, der wutentbrannt mit dem Fuß auf den Boden stampft. Man könnte meinen, Vigeland hat kein besonders gutes Verhältnis zu Kindern gehabt.

Zum Einbruch der Dunkelheit fahren wir runter zum Bootshafen, an die Flaniermeile. Hier reihen sich die Lokale dicht aneinander. Es sind sehr viele Menschen auf den Beinen. Ziemlich spät entscheiden wir uns, essen zu gehen. Es ist teuer, aber es schmeckt uns köstlich!