Wohnmobil Urlaub Spanien - ein Reisebericht Seite 2

Tag 9 Donnerstag - Burgos

Die Nacht war kalt und die Autobahn steigt immer noch höher an. Auf unserem Höhenmesser lesen wir 1050 Meter. Spanien soll ja das höchste Land in Europa mit einer durchschnittlichen Höhe von fast 700 Metern sein. Landschaftlich hat die Strecke ihre Reize. In der Ferne sind schneebedeckte Berge zu sehen.

Die Fahrt von Bilbao nach Burgos kostet 21, 50€ Maut. In Burgos beziehen wir Quartier auf dem Campingplatz am Fluss. Der Platz liegt in einer Höhe von 925 Metern.

Position: http://osm.org/go/b@ItaCvmm--?m
http://download.osmand.net/go?lat=42.34159&lon=-3.6557512&z=18

Gegen 18:00 Uhr fahren wir mit den Rädern zur Kathedrale in der Altstadt, die angeblich eine der bedeutendsten überhaupt sein soll. Von außen sieht sie schon ziemlich imposant aus, im Inneren aber erscheint sie irgendwie merkwürdig. Im Haupt-Kirchenschiff, also dort, wo normalerweise die Bänke für die Gläubigen stehen, hat man noch mal ein Art Kapelle reingebaut. Die Gottesdienste finden in den Seitenschiffen statt. Sitzplätze gibt es im Verhältnis zur Größe der Kathedrlae nur ganz wenige.

Vor der Kirche, auf dem großen Platz haben sich tausende Menschen versammelt. Sie warten auf die Prozession. Es ist Grün-Donnerstag, überall in Spanien wird die Semana Santa, die Karwoche mit großem Pomp gefeiert. Die Menschen stehen bereits Stunden vorher an den Absperrungen der Prozessionsstrecke.

Wir haben Hunger und entschließen uns, in eines der Touristenlokale am Fuß der Kathedrale zu gehen. Das Essen schmeckt erwartungsgemäß bescheiden. Besonders das Steak ist so zäh, dass es sich auch mit erheblichem Kauaufwand nicht klein kriegen lässt. Die Lösung ist, kleine Stücke zu schneiden, ein bisschen darauf herum zu kauen, und dann das Gekaute zurück auf den Teller zu legen.

Dort liegt es nun.

Was dem Chef des Hauses nicht unverborgen bleibt.

Er kommt mit bestürzt und sorgenvoller Miene an unseren Tisch und beginnt, auf Spanisch auf uns einzureden, ob es uns nicht schmecke und dass es ihm sehr, sehr leid tue und was er denn tun könne, um uns als zufriedene Gäste aus seinem Hause entlassen zu können ... so etwas glauben wir jedenfalls verstanden zu haben. Wir einigen uns auf das Wort "Duro" , was wahrscheinlich "zäh" heißt. Mit einem gemeinsamen Lächeln scheint die Angelegenheit damit erledigt zu sein.

Mitnichten.

Nach 5 Minuten steht einer neuer Teller vor uns, wieder mit einem Steak darauf, diesmal nur dünner. Es ist natürlich genauso zäh und ungenießbar. Jetzt liegt der schwarze Peter bei uns. Noch einmal wollen wir den Wirt nicht mehr in diese tiefe Betroffenheit und Verzweiflung stürzen und mit ihm eine aussichtslose, spanisch-deutsche Diskussion verfallen. Also wickeln wir das Steak schnell in ein paar Servietten ein und verstecken es in unserem Rucksack.

Die Sache geht gut. Nach einer Weile kommt der Wirt wieder, sieht freudestrahlend den leeren Teller, macht ein paar freundliche und unverständliche Bemerkungen und fragt endlich nach unseren Dessert-Wünschen.

Danach beginnt die Prozession zum Gründonnerstag. Ab hier lassen wir die Bilder sprechen.

Tag 10 Karfreitag - Burgos

Den Tag verbringen wir auf dem Campingplatz. Es wird geputzt, Ordnung gemacht und Fotos sortiert.

Abends besuchen wir die große Karfreitagsprozession. (Wikipedia Semana Santa). Die Prozession in Burgos ist ein Fest, das als "international von touristischen Interesse" erklärt wurde. Laut Statistik sind die Spanier eigentlich gar nicht so sonderlich religiös. Aber zu ihrer Karfreitagsprozession säumen sie zu Zehntausenden die Straßen, so dass man Schwierigkeiten hat, überhaupt einen Stehplatz zu finden von dem aus man das Geschehen beobachten kann. In Burgos wird die Prozession von 16 Bruderschaften veranstaltet, die jede ein oder zwei Skulpturenwägen durch die Menschmassen rollen, auf denen Szenen aus dem Leidensweg Christi dargestellt werden. Gelegentlich wird eine Skulptur auch von 20 oder mehr Männern auf den Schultern getragen. Dahinter schreiten in einem seltsamen Wiegeschritt 20 bis 100 Kapuzenmänner und -Frauen, die mit ihren Gewändern und nach oben hin spitz zulaufenden Kopfmasken an den Ku Klux Klan erinnern. Hinter den Bruderschaften marschiert gelegentlich eine Musikkapelle, deren primäres musikalisches Ziel darin zu bestehen scheint, alle anderen Kapellen in Punkto Lautstärke übertreffen zu wollen - egal wie es klingt.

Ein Wahnsinns-Spektakel!

Der Prozessionszug dauert über 3 Stunden und besteht aus deutlich mehr als 1000 Teilnehmern. Alles in allem trägt dieses Traditionsveranstaltung zu Recht den Titel "von internationalem touristischen Interesse". Das sollte man gesehen haben.

Ein 4-Minuten Video über die Prozession

Tag 11 Samstag - Burgos - Segovia

Nach Burgos fahren wir wieder auf die Autobahn, Richtung Segovia. Wir sind nun endlich auf der spanischen Hochebene angekommen. Die Strecke führt durch wellige Hügellandschaften, in einer durchschnittlichen Höhe von ca. 950 Metern. In der Spitze werden über 1200 Meter erreicht. Die Landschaft hat etwas Karges an sich, auch wenn hier Landwirtschaft betrieben wird. Bäume sind nur sehr wenige zu sehen.

Malerisch sind manche Felder und Äcker in ihren ocker-rostroten Farbtönen.

Das Wetter klart auf und wir sehen das erste Mal in diesem Urlaub einen komplett wolkenlosen Himmel. Beim Aussteigen auf einem Parkplatz - wow! Die Sonne hat eine Kraft, wie wir sie seit letztem Sommer nicht mehr erlebt haben.

Wie es scheint, sind wir nun endlich so langsam im Süden angekommen.
Wir ziehen uns erst einmal um.

Segovia wurde 1985 zum Welterbe ernannt. Schon von weitem beeindruckt die große Kathedrale, die über der Stadt thront. Ein außergewöhnliches Bauwerk ist der römische Aquädukt, der die Stadt fast 2000 Jahre lang mit Wasser versorgt hat.

Von unserem Parkplatz sind es rund 2 km bis zur Kathedrale. Wir bummeln rund 3 Stunden in der Altstadt herum und staunen wieder einmal darüber, wie viele Spanier abends unterwegs sind. Es ist Karsamstag und die ganze Stadt ist auf den Beinen.

Zum Sonnenuntergang erleben wir tolle Lichtstimmungen und schießen ein paar Fotos von der nächtlichen Stadt-Silhouette.

Segovia liegt 1000 Meter hoch. Hier ist die Luft besonders klar. So gelingt ein Foto vom Vollmond, auf dem die Oberflächenstruktur des Mondes gut zu erkennen ist.

Unseren Übernachtungsplatz finden wir in einem der Neubaugebiete, die während des Bau-Booms entstanden sind und heute mehr oder weniger ungenutzt in der Landschaft stehen.

Tag 12 Sonntag - Segovia - Toledo (Welterbe)

Wir fahren weiter Richtung Madrid und überqueren dabei den Gebirgszug Sierra Guadarrama. Er ist Teil des iberischen Scheidegebirges, das den nördlichen und südlichen Teil der spanischen Hochebene trennt.

Madrid haben wir nicht auf der Liste unserer Reiseziele stehen. In der Vorbereitung haben wir keine attrakiven Ziele gefunden, für die der Aufwand lohnen würde mit einem Wohnmobil erkundet zu werden. Trotzdem wollen wir einmal hindurch fahren.
Es ist Sonntagnachmittag und die Straßen sind voller Autos. Was muss hier erst an einem Werktag los sein? Trotzdem, das wenige, was wir von der Stadt sehen, finden wir schon beeindruckend.

Etwas Anderes ist uns aber noch wichtiger: Madrid liegt deutlich tiefer als Segovia und endlich sehen wir Bäume mit frischen Blättern, saftigem Gras und Blüten überall.
Einmal über die Berge fahren, und schon ist er da, der Frühling!

Südlich von Madrid besuchen wir eine der Geisterstädte, die während des Baubooms 2008 und später entstanden waren. In Gesamtspanien sollen ja fast 1 Million Wohnungen in dieser Zeit gebaut worden sein, die heute leer stehen oder gar nicht erst zu Ende gestellt wurden. Hier sehen wir ein paar hundert davon. Ist schon gespenstisch.

In Toledo fahren wir direkt zur Panoramastraße, die gegenüber der Altstadt liegt.

Wow!!

Keine Postkarte kann diese grandiose Ansicht einfangen und mit Photoshop kann man daran auch nichts mehr ernsthaft verbessern. Wir bleiben bis nach Einbruch der Dunkelheit. Danach suchen wir uns einfacherweise wieder eines von diesen Neubaugebieten und finden einen sehr ruhigen Stellplatz für die Nacht.

Tag 13 Montag - Toledo

Mittags fahren wir wieder zur Panoramastraße und fotografieren noch einmal diese zauberhafte Stadtansicht. Dann geht es auf den örtlichen Campingplatz, auf dem wir den Rest des Tages vertrödeln.

Tag 14 Dienstag - Toledo Richtung Andalusien

Von Toledo aus führt die Route weiter Richtung Süden.

Bei dem kleinen Ort Consuegra verlassen wir die Autobahn, um die berühmten Windmühlen zu besuchen, gegen die die Romanfigur Don Quichote angeblich ihren erfolglosen Kampf geführt hatte. In der riesigen Ebene von La Mancha stehen sie auf einem einsamen Berg, der schon von weitem zu sehen ist.

Oben bläst ein so unglaublich starker Wind, dass wir kaum die Kamera ruhig in der Hand halten können. Der kleine Berg ist ganz offensichtlich ein hervorragender Ort, um hier Windmühlen zu betreiben.

Die Nacht verbringen wir auf einer Autobahn-Raststätte.

Tag 15 Mittwoch - Ankunft am Mittelmeer - Motril

Seit Burgos führt die Strecke über die spanische Hochebene. Aus landschaftlicher Sicht kann man ihr - mit einigen wenigen Ausnahmen - getrost das Prädikat "kreuzlangweilig" verleihen. Eine gute Strecke um nachts Kilometer herunter zu schrubben.

So bleibt es bis zur Grenze zur Provinz von Andalusien. Ab hier wird die Strecke bergig und deutlich reizvoller. Wir sehen Oliven-Plantagen, soweit das Auge reicht. Echt zum Staunen. Uns war nicht bewusst, dass in Spanien so viel Oliven-Anbau betrieben wird. Später recherchieren wir, dass weltweit jeder fünfte Liter Olivenöl hier aus Spanien stammt.

In Granada unternehmen wir einen Abstecher zu einem Aussichtspunkt, von dem aus die berühmte Alhambra von oben betrachtet werden kann.
Keine gute Idee.
Die Alhambra liegt voll im Gegenlicht. Ein gutes Foto ist so kaum möglich. Und dann der Verkehr stadtauswärts! Die ganze Stadt ist voll verstopft.

So langsam erreichen wir das Ende der Hochebene, das Mittelmeer naht.
An der Küste angekommen sehen wir die ersten Gewächshäuser, für die die Gegend südlich von Almeria eine gewisse Berühmtheit erlangt hat.

Die Strecke einmal quer durch Spanien war bis hierher an das Mittelmeer rund 1000km lang.
Wir suchen uns einen Campingplatz bei Motril am Meer, auf dem wir die nächsten Tage verbringen werden.

Tag 16 bis 18 - Campingplatz Motril

Über unser Camping-Leben gibt es wenig zu berichten. Ausruhen, Ordnung machen und eine kleine Erkältung auskurieren.

Der Campingplatz ist fast menschenleer und sehr ruhig ... bis am Samstagmittag zwei spanische Familien in unmittelbarer Nachbarschaft ihre Dauerplätze beziehen.
Unglaublich! Die kommen gegen 12 Uhr mittags, fangen sofort an, bindfadenmäßig zu quasseln, meistens gleichzeitig zu zweit oder zu dritt und hören damit erst gegen 1 Uhr nachts auf. Immer in diesem leicht aufgeregten spanischem Staccato mit gelegentlich dazwischen gestreuten langen Vokalen. Das muss man mal erlebt haben.

Tag 19 Sonntag - Motril - Costa del Sol

Weiter geht es an der Costa del Sol entlang, Richtung Gibraltar.
Nach dem hübschen Badeort Almunecar machen wir in La Herradura am Strand ein kleines Picknick. Hier kann man bestimmt einen sehr schönen und geruhsamen Urlaub verbringen.

Malaga lassen wir aus. Inzwischen haben wir gelernt, dass man sich mit dem Womo nur dann in eine spanische Stadt trauen sollte, wenn man ernsthafte Gründe dafür hat.

Und dann Torremolinos!
Massentourismus pur, über 20 km lang eine Bettenburg nach der anderen. Gottseidank ist Vorsaison. Mit dem Womo kommen wir noch einigermaßen durch. Wie mag das hier erst im Sommer sein?

Abends fahren wir ins Hinterland, suchen ein Neubaugebiet mit ein paar Bauruinen und finden einen sehr ruhigen und geschützten Stellplatz.

Tag 20 Montag - Costa del Sol - Gibraltar

Nach einem kleinen Einkauf in Esteponas fahren wir weiter Richtung Gibraltar, immer an der Küste entlang. Uns gefällt die hübsche Architektur der Ferienhäuser. Kein Vergleich zu den Hoteltürmen von Torremolinos.
Nach einem Picknick mit Blick aufs Meer gehen wir an einem Strand spazieren. Vereinzelt liegen schon ein paar Urlaubsgäste im Sand, die Vorsaison ist noch ziemlich jung.
Sehr relaxt, die Atmosphäre hier.

Weiter geht es nach Sotogrande. Der Ort ist eines der größten Luxus-Ressorts in Spanien. Hier trifft sich das spanische Geld. Wir bleiben etwa eine halbe Stunde.

An der Grenze zu Gibraltar dann die große Enttäuschung. Der berühmte Felsen liegt komplett im Nebel. So macht ein Besuch des Felsens keinen Sinn.

Wir übernachten auf dem großen Parkplatz direkt an der Grenze auf der spanischen Seite.