Wohnmobil Urlaub Spanien - ein Reisebericht Seite 3

Tag 21 Dienstag - Gibraltar - Ronda

Morgens ist der Felsen von Gibraltar immer noch in dichten Nebel gefüllt und der Wetterbericht sagt Regen voraus. Wir entschließen uns, nach Ronda zu fahren, eventuell in ein paar Tagen zurück zu kehren, um den Felsen dann zu besuchen.

Die Route führt komplett an einer grün markierten Straße entlang. Anfänglich sieht die Landschaft ein wenig aus wie in Deutschland. Überall sattes Grün, hohe Bäume, freundliche Hügel. In Spanien ist das eine Seltenheit. Die ersten der berühmten weißen Dörfer sind zu sehen. Je höher wir steigen, umso karger und felsiger wird die Umgebung. In Höhen über 1000 Meter gibt es kaum noch Bäume. Leider spielt das Wetter nicht mit. Die Landschaft ist in ein trübes Grau getaucht. In der Bildverarbeitung gelingt es hoffentlich später, ein wenig andalusisches Licht in die Aufnahmen zu zaubern.

Morgen soll es regnen. So beschließen wir, in Ronda auf den Campingplatz zu gehen und abzuwarten, bis das Wetter wieder besser wird.

Tag 22 Mittwoch - Ronda

Der vorhergesagt Regen bleibt aus und so verbringen wir den Nachmittag im zauberhaften Ronda. Ronda liegt auf einem rundum steil abfallenden Felsplateau. Die Altstadt ist vom jüngeren Stadtteil durch eine knapp 100 m tiefe Schlucht getrennt. Überspannt wird der Abgrund von der bekannten Puente Nuevo („Neue Brücke“), die als DAS Postkartenmotiv für Ronda bekannt ist.

In der Stierkampfarena mieten wir uns einen Audioguide, erfahren allerlei über die Geschichte dieses historischen Ortes und einiges über den Stierkampf an sich. Unter anderem, dass der optische Höhepunkt eines Kampfes erreicht wird, wenn die Piccateros ihre Speere in den Stier stechen und das rote Blut in Strömen über den Körper des Stieres fließt.

Naja.....

Ungewöhnlich finden wir, dass überall an den Straßen Orangenbäume stehen, voll mit reifen Früchten. Hübsch auch die vielen engen Gässchen mit den maurischen Stilelementen an den Häusern und Wänden. Der Spaziergang hier macht richtig Spaß und bietet viel fürs Auge.

Ronda ist unbedingt einen Besuch wert!

Tag 23 Donnerstag - Ronda - Arcos de la Frontera

Unser nächstes Ziel ist der kleine Ort Zahara. Malerisch, wie sich die Häuser um den Berg schmiegen auf dessen Spitze eine kleine Burg thront.

Danach fahren wir hoch in die Sierra de Grazalema, einem Gebirgszug, der zu den regenreichsten Gebieten Spaniens zählt. Über eine sehr enge Straße windet sich der Weg bis zum höchsten Pass, der uns fantastische Ausblicke auf die umliegenden Täler und Ebenen schenkt. Ein Engländer würde wahrscheinlich sagen "breathtaking".

Arcos de la Frontera zählt zu den bekannteren der weißen Dörfer, obwohl es eigentlich eine kleine Stadt ist.

Wir gehen einkaufen, wieder mal bei einem Lidl. Diesmal gibt es eine Schranke an der Ein- und Ausfahrt. Beim Verlassen des Platzes verheddert sich die Schranke in unseren Fahrrädern am Heck. Es gibt einen kleinen Lackschaden. Gott sei Dank spricht der Filialleiter Englisch. Es wird einen internationalen Versicherungsfall geben. Schaunmämal.

Der Stellplatz in Arcos gefällt uns richtig gut, ist aber nicht leicht auf Anhieb zu finden. Wir haben einen herrlichen Blick über die weite Ebene unterhalb der Stadt.

Position: http://osm.org/go/b5qysihMI--?m   
http://download.osmand.net/go?lat=36.749374&lon=-5.815151&z=18

Tag 24 Freitag – von Arcos zur Atlantik Küste

Gegen 6:30 Uhr werden wir von Stimmen und dem Geräusch klappernder Eisenstangen geweckt. Ein Blick aus dem Fenster und die Sache ist klar: hier werden Marktstände aufgebaut. Und wir stehen mitten drin in einem Flohmarkt. Also nix wie weg hier!

Weiter geht es nach Alcala de los Gazules über eine grün markierte Strecke. Teilweise führt uns der Weg über recht rumpelige Straßen, ist aber landschaftlich recht interessant. Noch viel interessanter wäre die Strecke allerdings, wenn wir sie in entgegengesetzter Richtung fahren würden. Atemberaubende Ausblicke im Rückspiegel!!

In einem urtümlichen Felsenpark gehen wir ein bisschen spazieren und staunen über die märchenhaften und knorrigen Bäume. Wenn hier ein Troll oder ein Hobbit um die Ecke käme, würde uns das wahrscheinlich nicht sonderlich wundern.

Alcala ist wieder eines dieser Dörfer, dessen eng an eng gebauten weißen Häuser sich an den Abhang eines Berges drängen und fast wie ein kubistisches Kunstwerk aussehen.

Es ist wieder einmal etwas Ruhe angesagt und so beschließen wir, die 80 km zum Atlantik zu fahren, um uns dort auf einem Campingplatz niederzulassen. Der Weg zwischen Algericas und Tarifa bietet bei klarer Sicht einen herrlichen Blick über die Straße von Gibraltar bis hinüber zu Afrika. Leider finden wir - wie so oft - keinen Parkplatz, um dieses herrliche Panorama zu genießen.

Tag 25 Samstag - Tarifa Campingplatz

Tarifa liegt am Atlantik und ist der südlichste Punkt der iberischen Halbinsel. Über die Straße von Gibraltar sind es nur 15 km bis nach Afrika. Hier herrschen starke Winde. Und so wird nachmittags der kilometerlange Strand von gefühlt tausenden Kitesurfern übernommen, die mehr oder weniger gekonnt mit Wind und Wellen spielen. Wir schauen dem bunten Treiben lange zu und relaxen den Rest des Tages auf dem Campingplatz.

Tag 26 Sonnatg - Gibraltar

Heute besuchen wir Großbritannien. Es ist Sonntag und so beschließen wir, trotz einiger Warnungen, mit dem Wohnmobil auf die kleine Halbinsel von Gibraltar zu fahren.

An der Grenze gibt es eine Passkontrolle und dann müssen wir erst einmal die Rollbahn eines Verkehrsflughafen überqueren. Heute ist Sonntag und der Verkehr hält sich erfreulicherweise in Grenzen. Am südlichsten Punkt, dem Point of Europe, legen wir eine Pause ein und beobachten die Straße von Gibraltar bis hinüber zur afrikanischen Küste.
Dann fahren wir weiter am östlichen Ufer entlang, bis wir schließlich einmal den Felsen umrundet haben. Auch wenn der Verkehr erträglich ist, die Suche nach einem Parkplatz gestaltet sich dann doch erheblich schwieriger.

Mit der Seilbahn geht es dann hoch zum Aussichtspunkt. Oben haben wir einen herrlichen Blick - vom Atlantik zum Mittelmeer und bis nach Afrika.

Auch die Makaken, die einzigen in Europa wild lebenden Affen treiben ihre Späße mit sich selbst und mit den Touristen.

Beim Verlassen von Gibraltar müssen wir an der letzten roten Ampel stadtauswärts eine viertel Stunde lang warten weil ein Passagierflugzeug beim Starten Vorfahrt hat. (Es kommt ja auch von rechts.....). Es heißt, der Air Port von Gibraltar sei einer der gefährlichsten Flughäfen der Welt. Wir finden, dass der Verkehr hier recht gut geregelt ist.

Tag 27 Montag - Gibraltar - Sevilla

Morgens liegt der Fels wieder im Nebel. Was für ein Glück hatten wir gestern mit dem Wetter!

Unser nächstes Ziel ist Sevilla, das wir nach gut zweieinhalb Stunden erreichen.

Spanische Städte sind kein guter Ort für Wohnmobile, besonders wenn man mehrere Stellplätze im Angebot hat und den besten finden will. Wir entscheiden uns für einen Platz mit 24 Stunden Bewachung. Er ist sehr laut und sehr öde - aber wir fühlen uns dort wenigstens sicher.
Sevilla finden wir recht unübersichtlich uns so entscheiden wir uns, alle Strecken mit dem Taxi zurück zu legen.

Als erstes steuern wir den Metropol Parasol en, einem riesigen Bauwerk, das an einen Pilz erinnert, den Plaza Major überspannt und eigentlich zu nichts gut ist. Es schützt nicht einmal vor Regen, weil die Konstruktion aus offenen Holzwaben besteht. Trotzdem ein faszinierendes Bauwerk, das dem Platz irgendwie eine behütete Atmosphäre verleiht.

Danach besuchen wir die Feria de Abril, das größte spanische Volksfest. Es wird gerne mit dem Oktoberfest verglichen. Der erste Höhepunkt soll zur Eröffnung des Festes die Erleuchtung eines riesigen, eigens für das Fest erbaute Eingangstor um Punkt Mitternacht sein. Bereits eine Stunde vorher versammeln sich Tausende von Menschen vor dem Tor in Erwartung des großen Ereignisses. Das Fernsehen ist auch auf einem eigens gebautem Gerüst mit dabei. Dann endlich ist es soweit. Die Lichter gehen an, kurzer Applaus und das war’s. Keine Show, keine Moderation, keine Musik, kein Countdown oder so etwas. Man darf anschließend noch nicht einmal durch das Tor hindurchlaufen. Dieser Event lässt uns irgendwie ratlos zurück.

Anschließend laufen wir über das Festgelände. Einfach gigantisch! In über 1000 kleineren und größeren Zelten ist die Party bereits voll im Gang. Alle Zelte werden privat betrieben und sind nur für geladene Gäste zugänglich.
Überall wird live Flamenco gespielt, zum Teil in atemberaubender Qualität. Und überall wird getanzt - das Alter spielt dabei keine Rolle.

Und was machen diejenigen Spanier, die nirgendwo eingeladen sind? Sie machen das, was sie abends immer machen. Sie gehen spazieren und füllen zu Zehntausenden die endlosen Straßen des Festgeländes.

Als wir gegen 3:00 Uhr zu Bett gehen beträgt die Temperatur immer noch 22 Grad.

Tag 28 Dienstag - Sevilla - Feria de Abril

Heute aktivieren wir unsere Fahrräder und unternehmen eine kleine Tour durch Sevilla.
Am Fluss fahren wir 2 Kilometer an zum Teil fantastischen Graffitis entlang und bewundern die berühmte Brücke von dem bekannten Architekten Calatrava.

Als wir am mittleren Nachmittag an der Feria ankommen staunen wir nicht schlecht: es ist noch voller als letzte Nacht.

Flamenco Klänge tönen aus allen Zelten und es wird gefeiert, was das Zeug hält. Und die Frauen! Alle haben sich herausgeputzt und tragen ihre schönsten Flamenco-Kleider. Dazwischen immer wieder, ganz traditionell, diese - bei größter Hitze - Krawatten tragenden jungen Männer, die sich mit fetter Pomade ihre Haare nach hinten gegelt haben.

Eines der besonderen Vergnügungen scheint zu sein, sich als Familie in einer Pferdekutsche über das Festgelände fahren zu lassen. Und weil das derart beliebt ist, gibt es natürlich Staus ohne Ende. Das riesige Gelände ist komplett mit Pferdegespannen verstopft.

Und dann passiert es:
Ein netter, älterer Spanier spricht uns auf der Straße an und besteht darauf, uns in seinem Festzelt bewirten zu dürfen.

Also folgen wir ihm, quetschen uns in das mit Partygästen völlig überfüllte Zelt und lassen uns zu einer Cervesa einladen. Das Problem: Weder unser Gastgeber noch eine der umstehenden Personen spricht deutsch, französisch oder englisch. Schließlich wird ein etwa 15 jähriger Junge gefunden, der bereits ein oder zwei Jahre Englisch in der Schule hatte. So ist immerhin eine aus groben Bruchstücken bestehende Konversation möglich.
Dabei erfahren wir, dass unser Gastgeber den Vorsitz eines Vereins mit 24 Mitgliedern inne hat, dessen Zweck darin besteht, zu essen, zu tanzen und Spaß zu haben.

Nach einer ausgiebigen Verabschiedung besuchen wir den "anderen" Teil der Feria, den öffentlichen riesigen Rummelplatz. Hier wird so ziemlich alles geboten, was man sich an Fahrgeschäften vorstellen kann. Das Besondere daran: Jedes der Geschäfte versucht, alle anderen mit der eigenen Laustärke zu übertönen. Das Ganze ist eine wahnsinnige Kakophonie und ein Höllenlärm.

Tag 29 Mittwoch - Sevilla - Sanlucar

Heute besuchen wir wieder die Altstadt. Mit den Fahrrädern fahren wir mehr oder weniger ziellos herum und landen wieder beim Metropol Parasol. Noch einmal bewundern wir das beeindruckende Bauwerk.

Vor der Kathedrale lauschen wir den Klängen eines fantastischen Flamenco Gitarristen. Im Gegensatz zu den anderen Strassenmuisikern, die wir bisher erlebt hatten, lehnt er Geld ab. Seine Kunst könne man nicht mit Geld bezahlen.

Die Kathedrale von Sevilla ist die größte gotische Kathedrale der Welt. Innen wirkt sie mehr wie eine Art riesige Markthalle, in der unzählige kleine Kapellen untergebracht sind, in denen verschiedene Heilige angebetet werden können. Es gibt vielleicht 200 Sitzplätze vor einem komplette goldenen und riesigen Altarraum, der massiv vergittert ist, so dass man kaum das Dahinterliegende sehen kann.

Danach besuchen wir den Plaza de Espagna. Er soll einer der schönsten Plätze in Spanien sein. Und tatsächlich, ein prachtvolles Gebäude umschließt einen Halbkreis mit rund 200 Metern Durchmesser, in dessen Mitte sich ein großer Springbrunnen befindet. Das Besondere aber sind die Details. Unzählige Keramik-Malereien schmücken die Wände und Brücken über den kleinen Kanal. Es gibt Mosaike überall und die Dächer sind mit farbigen Schindeln gedeckt.

Anschließend verlassen wir das schöne Sevilla Richtung Sanlucar und fahren zu einer der größten Solarthermie-Anlagen Europas. Hier können wir die Zukunft der erneuerbaren Energien bestaunen. Es ist schon ein großartiger Anblick, wie hunderte von riesigen Spiegeln das Sonnenlicht reflektieren, auf einen Punkt hoch am Turm zurückwerfen und dort ein gleißend helles Licht erzeugen.

Mehr darüber gibt es hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Solarw%C3%A4rmekraftwerk_PS10

In der Nähe finden wir einen ruhigen Parkplatz für die Nacht.

Tag 30 Donnerstag - Solarkraftwerk - Cordoba

Weil wir gestern mit den Fotos vom Solarkraftwerk nicht ganz zufrieden waren, fahren wir noch einmal zurück in der Hoffnung, das Strahlenbündel am Solarturm deutlicher abbilden zu können. Und tatsächlich, die vormittägliche Luft ist feuchter und es gelingen ein paar schöne Fotos.

Dann fahren wir weiter ins 200 km entfernte Cordoba. Dort lassen wir uns auf dem städtischen Campingplatz nieder und machen erst mal Ordnung, sortieren Fotos und ruhen ein wenig aus.