Wohnmobil Urlaub Frankreich - ein Reisebericht Seite 2

Tag 9 Sonntag - Epernay

Nach den sehr intensiven Eindrücken von Verdun wollen wir nicht sofort die nächste Sehenswürdigkeit besuchen und legen einen Ruhetag ein.

Es gibt einen Foto-Ausflug in das kleine Städtchen Epernay. Die Stadt sieht aus wie ausgestorben - es ist Sonntag.

Immerhin ist Epernay so etwas wie die Hochburg des Champagners. So lesen wir in Wikipedia nach, was Champagner eigentlich ist und erfahren Erstaunliches: Champagner darf aus bis zu 100 Weinen verschiedener Jahrgänge zusammen geschüttet werden. Im Produktionsprozess wird zweimal Zucker zugesetzt. Hinter den bekannten und wohlklingenden Marken steckt in der Regel nicht ein einzelner Produzent, sondern unzählige kleine Weinbauern, Kellereien und Kooperativen, die jeweils ihr eigenes Produkt herstellen und unter der großen Marke vertreiben. Das klingt nicht unbedingt nach dem Geist des deutschen Reinheitsgebots, aber das gilt ja sowieso nur für so ein profanes Getränk wie Bier.

Abends spielen wir nach sehr langer Zeit wieder einmal Scrabble. Es macht richtig Spaß.

Tag 10 Montag - Epernay

Es regnet. Nachts war die unglücklich aufgebaute Markise unter der Wasserlast zusammengebrochen und hat nun einen 20cm langen Riss in der Plane. Ärgerlich.

Es wird den ganzen Tag regnen. Unternehmenslustig sind wir heute nicht. So wird geputzt, gelesen, es werden Fotos bearbeitet und wir unterhalten uns lange über Verdun und die beiden Weltkriege und versuchen, das Unbegreifliche zu verstehen.

Abends spielen wir wieder Scrabble mit der akustischen Untermalung einer besonders gut gelaunten Gruppe von Briten, die ihre Insel verlassen haben müssen um ausgiebig die regionalen Alkoholika auf ihre Wirkung zu testen.

Tag 11 Dienstag - nach Disneyland

Es ist immer noch regnerisch. Nach einer kleinen Rundfahrt in Epernay unternehmen wir eine Spazierfahrt durch die Weinberge der Champagne. Auch die gehören übrigens zum Welterbe. An einem Place Picknick frühstücken wir - bei herrlichem Blick über die Rebstöcke der riesigen Champagner Anbaugebiete.

Weiter geht es entlang der Marne auf der Route Touristique de Champagne durch die endlosen Weinberge.

Dann einkaufen. Schließlich landen wir auf dem Wohnmobilstellplatz von Disneyland. Die Übernachtung kostet 30 Euro. Der Platz ist riesig, komplett geteert und nachts hell erleuchtet. Um 23:15 sehen wir in weiter Ferne – und bei strömendem Regen - das abendliche Feuerwerk.

Tag 12 Mittwoch - Disneyland

Wir waren noch nie in einem Vergnügungspark. Also wenn schon, dann soll es auch der Größte sein. Nach eigenen Angaben ist Disneyland Paris mit jährlich 16 Millionen Besuchern die beliebteste Touristenattraktion in Europa.

 Wir machen uns um die Mittagszeit auf den Weg. Vom Wohnmobil-Stellplatz bis zum Eingang sind es rund 1,5 km. Dort angekommen erfahren wir nun endlich die aktuellen Preise. Im Internet waren sie nur schwer zu finden, bzw. teilweise irreführend oder falsch. Die Tageskarte kostet 73 Euro pro Person. Der Disneyland Park ist in 5 Themenbereiche gegliedert, die sich ein wenig an den großen Kinoerfolgen orientieren. Von den zauberhaften Comic Figuren, wie Donald Duck, Goofy usw., die damals meine Kindheit bevölkert hatten und meine junge Fantasie beflügelten, ist erst mal nichts zu sehen.

Die Themenbereiche kann man gemütlich in 2 bis 3 Stunden ablaufen und hat dann von außen alles gesehen. Es sind ein paar wirklich hübsche Gebäude und Arrangements dabei.

Sich eine Attraktion von innen anzusehen oder irgendwo mitzufahren ist eine ganz andere Sache. Die durchschnittlichen Wartezeiten liegen bei 40 Minuten bis 1 Stunde - darauf haben wir keine Lust.

Und wofür da gewartet wird!
Beispiel Dumbo (stellvertretend für viele andere Attraktionen): Um genau 1 Minute und 15 Sekunden lang - wir haben es gemessen - in einem Plastik Elefant sitzend in 3 Metern Höhe langsam im Kreis zu schweben, stehen die Leute etwa eine volle Stunde lang in einer Schlange an und warten auf ihr Glück. Dabei ist das Fahrgeschäft so simpel, dass man so etwas heute nicht mal mehr auf einer zweitklassigen Kirchweih finden würde. Rummelplatz-Adrenalin-Junkies sind hier sicherlich auf heftigem Entzug.

Um einen Kaffee in einem Pappbecher zu ergattern, muss man bis zu 20 Minuten anstehen. Was ist denn daran ein Vergnügen?

Immerhin, die tägliche Show Parade um 17:30 finden wir sehenswert.

Ok ... wir hatten keine der Attraktionen besucht. Und ok ... wir sind nicht unbedingt die Typen, die an so etwas normalerweise ihren Spaß finden. Trotzdem unser Fazit: Wer Disneyland Paris tatsächlich besuchen möchte, sollte sich vorher genau sehr darüber informieren, was ihn dort wirklich erwartet.

Wir fahren auf einen Campingplatz, der ca. 10 km entfernt liegt.

Tag 13 Donnerstag - Nixtun

Faulenzen – Nixtun - Gott einen guten Mann sein lassen - die Seele baumeln lassen.
Und später scrabbeln bis der Arzt kommt (genauer gesagt DR. HOUSE).

Tag 14 Freitag - Verirren in Paris

Es ist Freitag und wir versuchen vom Osten (Nähe Disneyland) in den Westen nach Versailles zu fahren. Stau, Stopp and Go und wieder Stau. Dazu treffen wir noch unglückliche Routen-Entscheidungen. Nach ca. 6 Stunden Lenkzeit haben wir es endlich geschafft.

Zum Besuch des Schlosses ist es natürlich zu spät.

Dank osm+ finden wir schließlich einen richtig tollen und sehr ruhigen Parkplatz im Wald ca. 12 km von der Pariser Stadtgrenze entfernt.

Tag 15 Samstag - Paris

Wir erhalten den Tipp, dass man nach 13:30 auf dem Campingplatz im Bois de Bologne recht gute Chancen hätte. Und tatsächlich, wir erhalten einen durchaus angenehmen Platz.

Gegen 15:00 Uhr schwingen wir uns auf unsere Pedelecs Richtung Eifelturm und verfahren uns erst mal ordentlich in diesem riesigen Stadtwald, dem Bois de Bologne. Endlich angekommen bewundern wir nicht nur diese ebenso gigantische wie luftig leichte Stahlkonstruktion, wir staunen auch über die Menschenmassen aus aller Welt und bleiben länger als wir vorhatten.

Danach besuchen wir die Aussichtsplattform auf der gegenüberliegenden Seite der Seine. Von hier aus sieht der Eifelturm noch beeindruckender aus. Dazu die riesigen Wasser-Fontänen - toll.

Paris wurde nicht für Radfahrer geschaffen. Der angenehme Nebeneffekt davon ist, dass man fahren kann, wie man will und wo man will. Es stört sich niemand daran. So radeln wir weiter am Ufer der Seine entlang, vorbei an manchem beeindruckendem Gebäude, an den berühmten Hausbooten, an den Stränden der Seine, bis wir schließlich die eigentliche Ile de France erreichen, auf der sich die Notre Dame befindet.

Es ist bereits Abend und wir gehen in eines der Touristen-Restaurants am Fuß der Kathedrale. Es schmeckt richtig gut, was bei solcherlei Restaurants nicht unbedingt selbstverständlich ist.

Auf dem Platz vor der Notre Dame ist Highlife - mit Massen von Menschen und tollen Künstlern.

Wir fahren weiter zum gigantischen Louvre. Dort fotografieren wir ausgiebig die nächtlich erleuchtete Glaspyramide, die für Dan Browns Film Da Vinci Code Sakrileg nachgebaut wurde und am Ende des Films eine bedeutende Rolle spielt.

Und natürlich fahren wir wieder an jeder Menge Welterbe-Stätten vorbei.

Auf der Champs Elysee hatte im oberen Bereich früher die Haut Couture von Frankreich ihre Nobelgeschäfte. Wir finden nur noch Pizza, Mac Donalds und Co. Vom einstigen Flair dieser Prachtstraße ist nicht mehr viel vorhanden.

Nach dem Arc de Triumph fahren wir zurück durch den nächtlichen Bois de Bologne, vorbei an leicht bekleideten Damen und Massen von Autos mit jeweils nur einem einzelnen Insassen.

Paris ist eine beeindruckende, fantastische, chaotische und wirklich riesige Stadt. Am Ende sind wir 40 km gefahren.

Tag 16 Sonntag - Paris

Wir erfahren über Google, dass das Wetter heute miserabel werden soll und beschließen, am Campingplatz zu bleiben. Das Wetter wurde dann doch nicht ganz so schlecht. Wir nutzen die Zeit, um Fotos zu sortieren, Ordnung zu machen, zu relaxen und viel Scrabble zu spielen.

Tag 17 Montag - Versailles

Weiter geht es nach Versailles. Als wir in die Stadt kommen, stellen wir erstaunt fest, dass es hier unglaublich viele freie Parkplätze gibt. Wir wollen das Schloss besuchen und mit den Rädern den riesigen Park erkunden.

Am Schloss erfahren wir, dass es montags geschlossen ist. Eines der bedeutendsten Gebäude der französischen Geschichte und montags geschlossen? Das hätten wir nicht für möglich gehalten. Daher auch die freien Parkplätze! Wieder etwas gelernt.

Also spazieren wir durch die berühmten Gärten, die Ludwig XIV hat anlegen lassen. Diese vielleicht 6 Meter hohen, eng stehenden Hecken, dieses radikal geometrische, diese absolutistische Gartenarchitektur finden wir ziemlich bedrückend. Der anschließende Park ist etwas offener, atmet aber auch diese spezielle Philosophie, die Natur bezwingen und beherrschen zu wollen. Versailles ist übrigens auch ein Welterbe.

Wir verabschieden uns nun vom Großraum Paris und fahren Richtung Orleans. Auf der Autobahn finden wir einen wunderschönen Picknickplatz und lassen uns hier für die Nacht häuslich nieder. Nach Mitternacht und am Ende des zweiten Scrabble-Spieles klopft es an unserer Tür. La Gendarmerie! Der freundliche Polizist gibt uns den Hinweis, dass zurzeit unfreundliche Gestalten unterwegs wären und unser Stellplatz nicht sicher sei. Sie raten uns, 20 km Richtung Orleans zu fahren und dort auf dem großen Rastplatz mit Service-Station zu übernachten. Also gut, wir machen das, haben aber Schwierigkeiten, auf dem riesigen, lauten und überfüllten Platz eine kleine Ecke für uns zu finden. Es sollte eine laute Nacht werden.

Tag 18 Dienstag - Orleans

In Orleans fahren wir auf den Camping Municipal, einen kleinen Platz, der sehr gerne von den Loire Radfahrern besucht wird. Da wir früh ankommen, können wir uns den Platz aussuchen und stellen uns direkt an die Loire.

Später besuchen wir die Altstadt. Die Altstadt ist hübsch, ein bisschen herrschaftlich und sehr gepflegt.

Auf dem großen Platz steht das Denkmal von Jeanne d'Arc, der Jungfrau von Orleans, über die wir vorher alles in Wikipedia nachgelesen hatten.

Wir beschließen, französisch essen zu gehen. Ein Menü soll es sein. Dazu checken wir vielleicht 50 Lokale und finden nur 4, die überhaupt noch so etwas anbieten. Der überwiegende Rest sind Bars, Brasserien oder ähnliches. Einige wenige haben einfache Tellergerichte im Programm. Wir treffen eine Entscheidung für das Restaurant, das uns am vielversprechendsten aussieht (und am teuersten ist) und werden sehr enttäuscht. Die Vor- und Nachspeisen sind gerade noch akzeptabel, die Hautgerichte muss man, an normalen gastronomischen Maßstäben gemessen, schlichtweg als Fraß bezeichnen - unglaublich! Lieblos, vermatscht, glibberig und fast ohne Gewürze - wir sind sauer.

Wenn es denn das erste Mal gewesen wäre, dass wir so etwas erleben müssen – aber wir fahren nun schon seit 40 Jahren nach Frankreich und mussten erfahren, wie das Essen in den Restaurants immer schlechter wurde. Frankreich ist dabei, eine seiner besten Traditionen zu verlieren, die Kochkunst.

Nach diesem Erlebnis beschließen wir, nach Möglichkeit keine Restaurants mehr zu besuchen, es sei denn, wir haben vertrauenswürdige Empfehlungen oder sichere Hinweise, dass hier ordentlich gekocht wird. Essen gehen in Frankreich - Vorsicht!

Tag 19 Mittwoch - Blois

Die Loire ist mit 1000 km ein ziemlich langer Fluss. Wir wollen uns den Abschnitt von Orleans bis zum Atlantik ansehen. Also fahren wir Richtung Blois, einer kleinen Stadt, die immerhin im Michelin Atlas mit 2 Sternchen ausgewiesen wird. Etwa 10 km vor Blois führt uns die Straße endlich direkt am Fluss entlang. Die Loire ist im Unterlauf komplett unreguliert, so dass sich der Fluss selbst gestalten darf. Wir sehen Inseln und wilde Ufer und zahlreiche Kanu Fahrer. Hübsch.

Kurz vor Blois landen wir auf einem wunderschönen Campingplatz, der viele freie Plätze zur Auswahl anbietet.

Abends fahren wir mit dem Rad in die Stadt und freuen uns an den vielen verwinkelten Gässchen und dem imposanten Schloss mitten in der Stadt. Blois ist wirklich einen Besuch wert.