Reisebericht: Wohnmobil Urlaub Norwegen 2013 - Seite 4

Tag 17 - Oslo mit dem Fahrrad

Wir wollen im Frognerbad, das im Frognerpark liegt, duschen. Das Bad ist leider geschlossen. So beschließen wir, uns abends einen Campingplatz zu suchen.

Wir schwingen uns auf die Räder und fahren Richtung Innenstadt. Plötzlich uuiii uiiii - ein Pulk von Feuerwehrautos im Einsatz rast an uns vorbei. Wir folgen und finden sie ein paar Kreuzungen weiter. Sie machen eine Übung. Wir schauen ihnen neugierig dabei zu.

Am königlichen Schloss dürfen wir erleben, wie relaxed die Norweger mit ihrer Monarchie umgehen. Im gesamten Schlosspark liegen die Menschen auf dem Rasen und aalen sich in der Sonne wie im Freibad, während an jedem Eingang zum Schloss diese unbeweglich geradeaus blickenden Wachsoldaten in ihren schmucken Uniformen stehen.

Am Schlosspark beginnt die Prachtstraße, die bis hinunter zum Bahnhof führt. Die Karl Johans Gate ist für Autos komplett gesperrt. Es gibt jede Menge Cafés und enorm viele flanierende Fußgänger. Unter den schattigen Bäumen haben über 10 politische Parteien ihre Informationsstände aufgebaut, um für ihre Anliegen zu werben. In Norwegen wird in 4 Wochen das Parlament gewählt.

Am Bahnhof hängt ein vielleicht 40x15 Meter großes Plakat mit dem Satz: LIFE IS FANTASTIC. Das passt irgendwie zur Stimmung, die wir schon den ganzen Tag in diesem sonnigen Oslo erleben.

Wir fahren weiter mit unseren Fahrrädern - und zwar irgendwohin. Wir landen im Ausländerviertel hinter dem Bahnhof. Hier ist es sehr lebendig und sehr bunt. Im arabischen Lebensmittelgeschäft gibt es Honigmelonen für ungefähr 1 Euro das Stück - sensationell

Wir trinken Kaffee in einem Strassencafe und genießen das bunte Treiben.

Weiter geht es zum Opernhaus. Hier steigt man der Oper aufs Dach. Das schräge Dach ist eine beliebte Aussichtsplattform, die von vielen Touristen besucht wird.

Der Uferweg führt zum berühmten Rathaus und Nobel Friedenszentrum. Die Architektur des Rathauses, das 1950 eingeweiht wurde, finden wir eher merkwürdig.

Zurück auf der Karl Johans Gate kommen wir mit Leuten der norwegischen Piraten-Partei ins Gespräch und diskutieren fast eine Stunde mit dem Parteichef. (Nachtrag: Die Piratenpartei wird später ein Ergebnis von 0,3% erreichen)

Ein toller Sonntag. Wir durften einen kleinen Einblick in die Lebensart der Osloer nehmen und haben zudem ein bisschen über die norwegische Demokratie gelernt.

Was uns in Oslo noch auffällt:
Die Stadt ist überhaupt nicht auf Radfahrer eingestellt. Angenehmer Nebeneffekt ist, dass man offensichtlich fahren darf, wie man will und wo man will. Die Stadt ist hügelig. Da sind die Pedelecs schon recht hilfreich.  Es fallen die vielen Mietfahrräder auf, die man für sehr wenig Geld mieten kann. Außerdem gibt es ein System von Elektro-Autos mit den dazugehörigen Stromtankstellen.

Zurück am Wohnmobil stellen wir fest, dass wir über 40 km im Stadtverkehr mit unseren Fahrrädern gefahren sind.

Abends gehen wir auf den Bogstad Campingplatz ca. 10 km vom Zentrum entfernt und buchen eine Nacht für rund 40 Euro.

Tag 18 - Oslo, Moss

Für Wohnmobilisten kann es verschiedene Gründe geben, auf einen Campingplatz zu gehen. Zum Beispiel kann es sein, dass man waschen, putzen oder einfach nur relaxen möchte. Und genau das tun wir heute. Der Bogstad Campingplatz ist schön gelegen und besitzt eine gepflegte Anlage. Allerdings kann man den sanitären Einrichtungen getrost die Note 5 vergeben. Die unappetitlichen Einzelheiten ersparen wir dem Leser.

Wir bleiben bis 15:00 Uhr und fahren dann zur Museums-Insel von Oslo. Hier gibt es zahlreiche Museen mit den unterschiedlichsten norwegischen Themen. Wir wollen alte, original erhaltene Vikingerschiffe sehen. Die Ausstellung ist informativ, die Schiffe sind beeindruckend. Nur wir sind nicht wirklich museumstauglich - zu überfüttert, zu viel erlebt in den letzten Wochen.

Oslo verlassen wir durch die Tunnel. Es ist gar nicht so einfach, in diesem Getunnel mit den vielen Ausfahrten den richtigen Ausgang zu finden wenn sich der Navi schlafen gelegt hat, weil er kein GPS-Signal hat.

Nahe der kleinen Stadt Moss, südlich von Oslo, finden wir einen fast am Wasser gelegenen Stellplatz an einem kleinen Badestrand.

Tag 19 - Moss, bis 60km vor Göteborg

Heute gibt es wenig zu erzählen. Wir machen sozusagen Urlaub. Wir schlafen und resümieren unser Erlebtes. Am Spätnachmittag fahren wir bis vor Göteborg und fragen uns, ob wir dabei sind, in einen Geschwindigkeitsrausch zu verfallen, bei den 110 km/h, die wir auf schwedischen Autobahnen düsen dürfen. Ist wohl etwas übertrieben.

60km vor Göteborg finden wir an der Autobahn einen Rastplatz, der ein bisschen an die großen südfranzösischen Plätze der Peage erinnert.

Tag 20 - Göteborg

In Göteborg suchen wir mit  der Hilfe der OsmAnd+ Karten einen ruhigen Stellplatz und finden bald einen, ungefähr 5 km vom Zentrum entfernt und fast am Wasser gelegen.

Nachmittags unternehmen wir eine Fahrrad-Tour in die Stadt. Was sofort auffällt: Göteborg ist enorm Radfahrer- freundlich. Die Radwege sind oft 2-spurig, es gibt gute Fahrbahnüberquerungen, riesige Fahrrad-Parkplätze und Mietfahrräder fast überall.

Göteborg ist eine schöne Stadt mit dem vielen Grün, der schönen Architektur und dem Kanal, der durch die Stadt verläuft. Wir sehen viele der bekannten  Gebäude und Straßen, fahren durch Parks und gehen Kaffee trinken. In einer Fußgängerzone steht ein Klavier, das von 2 Pianisten abwechselnd bespielt wird.

Auf unserer zufälligen Route durch die Stadt begegnen uns mehrere Studentengruppen, die damit beschäftigt sind, mehr oder weniger merkwürdige und sinnlose Dinge zu tun. Eine Psychologie-Klasse?

Göteborg bietet noch etwas Erstaunliches:
Wir haben noch keine Stadt erlebt, auf deren Straßen und Gehwege beim Joggen, Shoppen, Radfahren, Kaffeetrinken usw. so unglaublich viele Menschen per Smartphone quasseln und simsen. Besonders spannend sind die entgegenkommenden Radfahrer auf einspurigen Radwegen, die sich hochkonzentriert im Einhandsimsen üben.

Am Ende sind wir 27km gefahren und haben eine liebenswerte, junge und lebendige Stadt kennenlernt.

Übrigens: Viele Schwedinnen sind tatsächlich blond – das ist kein Vorurteil.