Wohnmobil Urlaub Spanien - ein Reisebericht Seite 1

Womo direkt am Wasser
Womo direkt am Wasser (klick)

Vorwort

Noch nie hatten wir uns eine so lange Wohnmobilreise vorgenommen. Unser Ziel: Spanien in 7 Wochen. Wir wollten das Land kennenlernen, einen Gesamteindruck erhalten über Geografie, Kultur und das aktuelle Leben.
Immerhin ist Spanien rund eineinhalb Mal größer als Deutschland und mit rund 700 Metern Höhe das höchstgelegene Land Europas. Und es ist eines der Sorgenkinder in der EU, das von der letzten Krise besonders stark gebeutelt wurde.

Die Vorbereitung auf die Reise verlief diesmal anders. Zwar hatten wir uns vorher Reisebücher gekauft, aber sie bis zum Ende praktisch überhaupt nicht benutzt. Unsere Ziele und Ideen entwickelten wir meistens über Wikipedia und YouTube. Manche Stellplätze fanden wir schon zu Hause in Google Earth. So entdeckten wir nun endlich auch die Segnungen von Geokoordinaten, die das Leben doch erheblich vereinfachen können.

Die Reise begann Ende März und führte uns vom Norden ab San Sebastian quer durch das Land bis hinunter nach Gibraltar und dann die Mittelmeerküste entlang. Die Gesamtstrecke war ca. 7.500 km lang.

Insgesamt haben wir über 4.000 Fotos mit nach Hause gebracht, aus denen wir rund 250 ausgesucht haben, um diesen Reisebericht zu bebildern. Wir hoffen, dass es ein wenig gelungen ist.

Hier unsere Erlebnisse und Eindrücke:

Ein paar Reise-Impressionen als Slideshow Video

Für eine Darstellung in Bildschirmgröße klicken Sie rechts unten in das kleine Symbol neben "YouTube". Links daneben kann man an dem Zahnrad die Aulösung einstellen. Am besten ist natürlich 1080p HD - wenn es den eigenen PC nicht überfordert. Es gibt auch Musik dazu. Sollte die Darstellung ruckeln, so ist die Auflösung von 720p empfehlenswert.

Die Reiseroute - vom Norden über Gibraltar nach Barcelona

Spanien in 7 Wochen
Spanien in 7 Wochen (klick)

San Sebastian
Bilbao
Burgos
Segovia
Madrid
Toledo
Consuegra
Granada
Ronda
Gibraltar
Selvilla
Cordoba
Tabernas
Valencia
Barcelona
Figueres

Diese Route gibt nur den ungefähren Verlauf unserer Reise wieder. Leider ist in Google Maps die Anzahl der Streckenpunkte begrenzt, so dass es nicht möglich war, alle Stationen unserer Reise einzutragen.

Tag 1 Mittwoch - Die Abfahrt

Das Packen und Einladen war diesmal nicht so stressig wie die letzten Male. Grund: längere und bessere Vorbereitung und auch die Routine, die wir uns bei den letzten Fahrten angeeignet hatten.

Nach einigen Stunden sind die ersten 500km geschafft. Auf einem Autobahn-Parkplatz zwischen Mulhouse und Besançon finden wir ein einigermaßen ruhiges Plätzchen.

Tag 2 Donnerstag - Ziel Bordeaux

Nach einer kalten Nacht und dem ersten Kaffee gibt es erst mal Stress mit dem Internet Provider. Bisher hatten wir jedes Mal, wenn wir ins Ausland fuhren, eine SMS erhalten, die wir einfach zurück senden konnten, um ein mobiles Paket nutzen zu können. Diesmal gab es nichts dergleichen. Also, Provider anrufen, unklare Antwort erhalten, rumfummeln. Schließlich klappt es doch noch und wir stellen fest, dass es hier kein Netz gibt. Aber immerhin - unser mobiles Netzleben scheint gesichert.
Es scheint so.

Die Autobahn von Mulhouse bis Chalon kostet rund 30 Euro. Weiter über die BIS Richtung Bordeaux zu einem kleinen Parkplatz und zur nächsten Überraschung.

Beim Kaffeekochen werden wir davon überrascht, dass aus dem Spülschrank heraus Wasser über den Boden läuft. Wo kommt das her? Also gut, Werkzeug auspacken und suchen. Ein Schlauch unter dem Wasserhahn des Spülbeckens hatte sich gelockert. Nach einer halben Stunde ist das Problem behoben.

Danach führt uns der Navi über flüssige Landstraßen durch hübsche Gegenden. Nach und nach verfranzelt er sich dabei immer stärker, bis wir schließlich über eine holprige, aufgerissene Piste rumpeln und uns am Ende auf einer nagelneue Bezahlautobahn wiederfinden, die in die exakt falsche Richtung führt. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als zu drehen, die Autobahn noch einmal in der anderen Richtung zu fahren und natürlich die Gebühr ein zweites Mal zu bezahlen.

Kurz vor Clermont Ferrant kommen wir endlich wieder auf die Autobahn und freuen uns auf schöne Aussichten auf die Auvergne. Leider ziehen bald Regen und Nebel auf. Die nächsten Stunden sehen wir praktisch gar nichts mehr von dieser herrlichen Landschaft.

Komischer Tag heute. Die Laune lassen wir uns allerdings nicht verderben.

Einen netten Stellplatz finden wir ca. 50km vor Bordeaux auf der Autobahn.
Position: 45.00207 0.03367219

Tag 3 Freitag - nach Donostia San Sebastian

Ein wenig kann man schon den Atlantik riechen. Und ein Hauch von Frühling liegt auch schon in der Luft. Der Morgen begrüßt uns mit freundlich verhaltenem Sonnenschein. Der Tag fängt vielversprechend an.

Kurz vor Bordeaux kommt die letzte Zahlstelle. Von Clermont Ferrant bis hier werden rund 54 Euro fällig.

Dann noch einmal Stress mit dem Provider. Gestern konnten wir nirgendwo auf der gesamten Strecke mobiles Internet empfangen. Nach 4 Telefonaten wird endlich klar: Sie haben uns fälschlicherweise ein Surfpaket angeboten, das schon lange nicht mehr erhältlich ist. Endlich sind wir wieder online. Wir hatten schon ernsthafte Entzugserscheinungen.

Bordeaux gefällt uns - jedenfalls die lange, lange Uferstraße entlang der Garonne. Wir fahren die kilometerlange Straße entlang und bewundern die prachtvollen Gebäude. Echt sehenswert. Am Ufer ankert ein riesiges Passagierschiff. Schließlich geht es über eine ultramoderne Hebebrücke, die dafür gebaut wurde, riesige Ozeandampfer hindurchfahren zu lassen. In einem etwas gammeligen Gewerbegebiet werden wir von exzellenten Graffitis überrascht.

Die nächste Station ist Biarritz. Wir kommen in der Dunkelheit an und werden von Palmen und kunstvoll beleuchteten Prachtbauten begrüßt. Oben am Leuchtturm genießen wir die erfrischende Atlantikluft und den fantastischen Blick über die nächtliche Bucht.

Wir fahren weiter nach Donostia San Sebastian und übernachten auf dem offizielle Stellplatz.

Position: http://osm.org/go/b@nDF3q?m
http://download.osmand.net/go?lat=43.307446&lon=-2.0133317&z=13

Tag 4 Samstag - San Sebastian Donostia

Vormittags erholen wir uns ein wenig von der Fahrt und basteln im Wohnmobil herum. Der Stellplatz-Ticketkontrolleur kann mittels Zeichensprache und bildreichen Gesten davon überzeugt werden, dass der Automat seinen Geist aufgegeben hat. Er hat ein Einsehen und der Stellplatz ist also bis auf weiteres kostenlos.
Am späteren Nachmittag schwingen wir uns auf die Fahrräder und fahren zur großen Bucht hinunter.
Auf der kilometerlangen Strandpromenade gibt es erstaunlich viel Leben. Es ist ja noch Vorfrühling und Touristen sind fast auch noch keine da.
Immerhin sehen wir ein paar Jakobsweg-Wanderer. Tausende Menschen flanieren die Uferpromenade entlang und freuen sich an der noch zurückhaltenden Sonne.
Am Strand herrscht eine spielerische Atmosphäre. Auf einem riesigen Areal werden Zeichen und Piktogramme in den Sand gemalt. Ein toller Straßen-Musiker singt alte Beatles-Songs dazu. San Sebastian gefällt uns immer besser.

Nach Einbruch der Dunkelheit geht es in die Altstadt. In der berühmten Kathedrale wird der Besucher mit meditativer Musik und sanft wechselnden Lichtspielen empfangen.
Außen, vor der Kathedrale der harte Kontrast: Tausende, wenn nicht zehntausende Menschen fluten durch die engen Gassen mit den unzähligen Tapas Bars auf der Suche nach ihrem Samstagabend-Vergnügen. So als wäre hier ein Stadtfest. Irgendwie scheint es, als wären die San Sebastianer immer in so einer Art Stadtfest Modus.

Tag 5 Sonntag - San Sebastian

Am südlichen Ende der großen Bucht liegt der Berg Monte Igueldo, unser erstes Ziel heute. Von der Stadtseite aus ist die Zufahrt für Wohnmobile verboten. Von der Rückseite aus kann man zwar bis oben zu den Parkplätzen fahren, Womos dürfen dort aber trotzdem nicht hin. Glücklicherweise gibt es ein paar hundert Meter unterhalb einen kleinen wilden Platz, der zum Abstellen genutzt werden kann.

Oben befindet sich eine kleiner Vergnügungspark mit Fahrgeschäften und einen Aussichtsturm. Der Vergnügungspark ist schon erheblich in die Jahre gekommen und könnte ein paar ernsthafte Renovierungen vertragen. Worum es hier aber eigentlich geht, ist die Aussicht. Einfach fantastisch! Von hier aus hat man einen weiten Blick über die Bucht von San Sebastian bis hin zu den Ausläufern der Pyrenäen. Wir trödeln hier eine gute Weile herum, genießen die Panoramen und das freundliche Wetter bis wir schließlich wieder zurück zum Wohnmobil gehen.

Dort eine Überraschung. Im Auto erscheint ein Warnzeichen "Wasser im Dieselfilter". Komisch. Gestern gab unsere Warmwasser-Heizung den Geist auf. Heute zickt das Auto herum.

Technisch gesehen ist irgendwie in diesem Urlaub der Wurm drin.
Entgegen unserer ursprünglichen Absicht, eine Tour entlang der Küste zu unternehmen, fahren wir wieder zurück auf den Stellplatz von San Sebastian. Morgen geht es erst mal in eine Werkstatt.

Tag 6 Montag - San Sebastian nach Bilbao

Für heute haben wir uns eine Route vorgenommen, die aus grün markierten Straßen entlang der Küste besteht. Vorher wollen wir aber noch das Problem mit dem Wasser im Dieselfilter lösen. Wir rufen die Heimatwerkstatt an und erfahren, dass das ganze kein Problem wäre. Einfach weiterfahren, so der Ratschlag. So ganz wollen wir das nicht glauben und finden in San Sebastian eine Werkstatt mit einem Mechaniker, der ein paar Worte Englisch kann. Der erzählt uns gestenreich dasselbe. Also gut. Als wir nun endlich los fahren, erlischt das Warnsignal nach kurzer Zeit und kommt auch nicht wieder. Gute Lösung.

Die grünen Straßen am kantabrischen Meer sind landschaftlich toll, aber so richtig grün sind sie nicht wirklich. Wir hatten uns vom spanischen Frühling mehr erwartet. Fast so wie zuhause tragen die Bäume noch winterliches Braun in Braun, besitzen noch keine Blätter und Knospen sind auch nur wenige zu sehen.

An der ersten Bucht in dem kleinen Ort Getaria machen wir einen Spaziergang, fotografieren die großen Wellen und lassen den herrlichen Wind mit unseren Haaren spielen. Als wir nach 20 Minuten zurückkommen, stehen wir praktisch im Nebel. Der salzige Wind hat unsere Brillen mit einem grauen Schleier überzogen, so dass wir alles nur noch trüb in trüb sehen können.

Wir fahren weiter bis Lekeitio. Die Strecke bis Ondarroa ist toll, führt meistens direkt am Meer entlang und bietet viele Parkplätze mit wunderschönen Ausblicken auf die kantabrische Küste. Die weitere Strecke nach Lekeito hätten wir uns getrost sparen können. Nur enge Kurven ohne Haltemöglichkeit und kaum Sicht auf die See.

In Gernika-Lumo machen wir eine Pause und lesen einiges über Hitlers grausamen Luftangriff 1937 auf dieses kleine Städtchen.

Auf den Weg nach Bilbao fühlen wir uns fast so, als wären wir im Allgäu, so hoch wie hier die Berge sind.

Die Stadt selbst ist verkehrstechnisch ein Trip. Wir sind froh, als wir den Stellplatz erreichen. Von hier aus hat man einen sehr schönen Rundblick über die ganze Stadt. Interessanterweise wurde der Stellplatz zweigeteilt, in einen kostenpflichtigen Teil mit Strom und Service und in einen kostenlosen Teil. Wir nehmen den kostenlosen.

Position: http://osm.org/go/. b@PoNIQsQ-?m

http://download.osmand.net/go?lat=43.259037&lon=-2.9634333&z=17

Tag 7 Dienstag - Bilbao und Umgebung

Das erste Mal einkaufen. Wir wollen uns nicht gleich in so einen riesigen spanischen Supermarkt wagen und versuchen es erst einmal mit einem Lidl. Der ist sehr gut sortiert und nach kurzer Zeit haben wir alles, was wir wollten. Prima!

Aus dem Internet erfahren wir, dass es ordentlich kalt werden soll. Es wäre also schon besser, wenn wir unsere Heizung, die vor 2 Tagen den Dienst verweigert hat, zum Laufen bringen könnten. So kramen wir noch einmal das Handbuch heraus und recherchieren die Telefonnummer der Service Hotline von Truma, dem Hersteller. Als Vorbereitung für das Telefonat wollen wir noch einmal genau den Fehler reproduzieren, um den Defekt präzise beschrieben zu können. Die Heizung wird eingeschaltet, sie fährt hoch und siehe da, sie geht wieder. Warum, wissen wir nicht. Auch eine gute Lösung.

Danach geht es noch einmal ans Meer, an einen Strand nordwestlich von Bilbao. Wir genießen den salzigen Wind. Filmen die heranflutenden Wellen und gehen am Strand spazieren.

Die nächste Station ist die Biskaya Brücke. (Wikipedia) Auf die Gondel passen ungefähr 6 Autos, also so viele, wie auf eine kleinere Fähre über einen kleinen Fluss in Deutschland. Die 1893 erbaute Konstruktion wurde 2006 zum Welterbe erklärt

Es sollte auch noch erwähnt werden, dass man auf keinen Fall versuchen sollte, mit dem Wohnmobil zur Brücke zu fahren. Besser mit dem Rad, dem Bus, dem Taxi oder sonst irgendwie. Wir haben es getan, es war grauenhaft.

Position: http://osm.org/go/b@PoNIT2?m
http://download.osmand.net/go?lat=43.259163&lon=-2.9632623&z=16

Tag 8 Mittwoch - Bilbao - bis kurz vor Burgos

Heute steht das Guggenheim Museum auf dem Programm.
http://de.wikipedia.org/wiki/Guggenheim-Museum_Bilbao

Erstaunlicherweise finden wir ohne Probleme auf Anhieb einen Parkplatz in der Nähe.
Der Spaziergang am Fluss entlang, in einer parkähnlichen Anlage ermöglicht viele unterschiedliche Perspektiven auf die wagemutige Architektur dieses außergewöhnlichen Gebäudes.

Im Innern gibt es zeitgenössische Kunst. Wir halten uns ein wenig im Bereich von Niki de Saint Phalle auf. So richtig haben wir aber heute keine Lust auf Museum. Lustig finden wir den riesigen Hund Puppy, dessen Fell komplett aus Blumen besteht http://de.wikipedia.org/wiki/Jeff_Koons.

Danach wollen wir Bilbao verlassen, um unsere Reise fortzusetzen. Wir haben allerdings nicht damit gerechnet, wie veraltet das Kartenmaterial im Navi ist. So irren wir fast eine Stunde in und um Bilbao herum, bis wir endlich die richtige Autobahn finden. Dort müssen wir aufgrund eines Unfalls dann noch eine Stunde im Stau stehen. Bilbao scheint uns nicht fort lassen zu wollen.

Schließlich verlassen wir das Baskenland Richtung Burgos und damit die ozeanische Klimazone. Vor uns liegen das spanische Hochland und die kontinentale Zone. Wahrscheinlich werden die Nächte noch kälter. Die Landschaft verändert sich und wird immer bergiger. Und die Autobahn steigt höher und höher.

Wir übernachten auf einer Autobahn Raststätte.